Die Konzeption der „Kinderstube“ entspricht den Grundelementen der Gesamtkonzeption des Waldorfkindergarten Celle. Sie erweitert sich um die Entwicklungsgesetz-mäßigkeiten der ersten 3 Lebensjahre des kleinen Kindes. Die Waldorfpädagogik sieht in jedem Kind – ungeachtet seiner sozialen, ethnischen und religiösen Herkunft - eine einmalige, unantastbare Individualität, die schon vor der Geburt existiert hat. In den ersten 3 entscheidenden Lebensjahren vollbringt das kleine Kind in nur kurzer Zeit eine komplexe, staunenswerte Leistung. In der Kinderstube findet es dafür eine erfahrungsreich gestaltete Umgebung. In Geborgenheit und Hülle erfährt es die Möglichkeit, die ihm innewohnenden Intentionen und Potentiale in Ruhe zu entfalten.

Durch selbständiges, kreatives Forschen, ohne Irritation von außen, erlangt das Kind Handlungskompetenz und Durchhaltevermögen. Daraus entwickelt es die Fähigkeit, mit seiner Umwelt in eine konstruktive, menschliche Beziehung zu treten. Selbständig Schwierigkeiten zu überwinden, sich mit Interesse mit etwas zu verbinden, aus eigener Kraft neue Fähigkeiten zu ergreifen, führt zu einer wertvollen, wesentlichen Selbsterfahrung. Der besonderen Zuwendung, Achtsamkeit und Wertschätzung gegenüber dem kleinen Kind bewusst, ist uns eine zeitlassende, individuelle Eingewöhnungszeit in enger Zusammenarbeit mit den Eltern wichtig. Das daraus entstandene Vertrauensverhältnis zwischen dem Kind und seiner festen neuen Bezugsperson trägt das Kind durch die ganze Kinderstubenzeit. Alles, was die Kinder in dieser Zeit erleben und ergreifen, wirkt bis in ihre Lebenskräfte und Impulse hinein und beeinflusst ihr weiteres Leben.

Immer in Bewegung, neugierig und entdeckend mit dem ganzen Körper und seinen Sinnen, erschließt sich das Kind schrittweise seine Welt. In keinem Lebensabschnitt haben Bewegung und sinnliche Erfahrung eine so überragende Bedeutung wie in den ersten Lebensjahren. In einem intensiven Spielen und Forschen ergreift das Kind mit Hingabe und Ruhe eigene neue Bewegungsabläufe, die es in rhythmischen Wiederholungen zu eigenständigen Fähigkeiten heranbildet. In einer spielerischen Auseinandersetzung verfeinert es seine Motorik und Sensorik im Aufrichten, Stehen und Gehen, formt seine Sprachorgane durch das Nachahmen der Sprache und entwickelt differenzierte Denkvorgänge. Durch eine ruhige Atmosphäre unterstützt, lernt es seinen eigenen Spielimpulsen treu zu bleiben und diese in die Wirklichkeit umzusetzen. Das macht deutlich, dass das Spiel der Ursprung jeglicher Weiterentwicklung ist. Ein lebendiger Rhythmus ist ein elementares Lebensbedürfnis des Kindes, was in der Kinderstube durch einen rhythmisch gegliederten Tagesablauf, eine gemeinsame, biologisch erzeugte Mahlzeit, eine sich wiederholende liebevolle Zuwendung bei der Körperpflege und genügenden Schlafphasen widerspiegelt.

Die Kinder erleben einen natürlich gestalteten Lebensraum in unserem Gartengelände, in dem sie jeden Tag bei Wind und Wetter unterschiedlichste Sinneserlebnisse und lebendigeWahrnehmung der Natur erfahren können. Die innere Haltung und das äußere Verhalten der ErzieherInnen bilden die erste und elementarste Lernumgebung des kleinen Kindes und zeigen die große Verantwortung gegenüber dem kleinen Kind. Durch Selbsterziehung und Reflexion der eigenen Handlung werden die ErzieherInnen zu einem authentischen und nachahmenswerten Vorbild für das heranwachsende kleine Kind. Ihre Gesinnung richtet sich auf die Entwicklungsbegleitung auf der Grundlage der kindlichen Entwicklungsgesetzmäßigkeiten.